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Die Malerei Karin Becks kreist um das Thema menschlicher Beziehungen, ohne sich darin zu erschöpfen. Vor allem die Frage nach den Verheißungen und Verhängnissen der Liebe bildet den wiederholten Ausgangspunkt für ihre Erkundungen mit der Farbe. Die Protagonisten der Bilder sind Frauen und Männer, die als Lustobjekte und Gegenstände für typisch menschliche Obsessionen ebenso wie als ferne Ideale oder konkrete Charaktere auftreten. Ihren Figuren, die manchmal körperhaft und geradezu überdeutlich geschildert werden, manchmal aber auch nur angedeutet zwischen Farbfeldern und freien Pinselschwüngen hervortreten, verleiht die Albstädter Künstlerin vielfach porträthafte Züge, trotzdem bezieht sie sich nur selten auf bestimmte Gestalten aus Literatur, Kunst oder jüngerer Geschichte. Vielmehr erkennen wir in ihnen Stellvertreter für die zahlreichen Facetten menschlicher Empfindungen. Und schließlich mag man selbst in manchem tierischen Darsteller – wie dem gegen einen imaginären Nebenbuhler kämpfenden Hasen – mehr menschliche als animalische Verhaltensweisen erkennen. So sind es vor allem Humor und ironische Brechung, die die Bilder Karin Becks als lebensnahe und zugleich gleichnishafte Schilderungen alltäglicher wie ungewöhnlicher Beziehungen kennzeichnen.

Viele ihrer Gemälde scheinen Geschichten zu erzählen, und doch sind es keineswegs Illustrationen literarischer Vorbilder. Was wir als Inhalt der Malerei erkennen, ist stets in dieser aufgehoben und durch die Farbe als zentralem Medium ihrer Kunst vermittelt. Dabei setzt die Künstlerin unterschiedlichste Gestaltungsmöglichkeiten ein, um den Bildern Spannung und den Gestalten ein individuelles Gepräge zu verleihen. Indem sie verschiedene Maltechniken kontrastreich gegeneinander stellt, entstehen Bildebenen, über die hinweg sich die Figuren in Beziehung zueinander setzen. So muten diese oft an wie in einer eigenen Bewusstseinssphäre aufgehoben, manchmal unfähig, mit ihrem Gegenüber in Kontakt zu treten, manchmal aber doch imstande, die malerisch erzeugten Barrieren im Zeichen der Liebe zu überwinden. Insofern können wir in den bildnerisch formulierten Erzählungen Karin Becks vielleicht auch so etwas wie malerische Novellen und miniaturhafte Dramen über das „Thema der Liebe oder Der Schein der Dinge“ erkennen.

Dr. Jörg Becker zur Ausstellung “Liebe oder der Schein der Dinge” am 14.06.2002.

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