artfever  

Das Kunstfieber packte Karin Beck vor rund 20 Jahren, w√§hrend eines Lebensabschnitts, in dem sie sich neue pers√∂nliche Freir√§ume schuf, und zugleich in einer Zeit, als sich die Malerei durch eine radikale Wendung neue Geltung im Kunstbetrieb verschaffte. Diese farbstarke, expressive Malkunst ist mittlerweile unter dem Signum der ‚ÄěNeuen Wilden‚Äú in die Kunstgeschichte eingegangen, ihr vexierendes Bild der Welt zwischen oberfl√§chlicher Attit√ľde und tiefer Emotion bleibt weiterhin aktuell. ‚ÄěArtfever‚Äú, das meint weniger den Kunstvirus, von dem Karin Beck befallen ist, sondern umschreibt vielmehr eine gesteigerte Sinneswahrnehmung, mit der sie auf ihre Umwelt malerisch reagiert, und den Nachdruck, mit dem sie ihre k√ľnstlerischen Ziele verfolgt: f(or) ever.

 Karin Beck lotet die unterschiedlichen Ausdrucksm√∂glichkeiten, die das Medium der Farbe bietet, in zum Teil parallel entstehenden Bildfolgen aus. So erscheint ihre Malerei ebenso heterogen wie vielseitig im Stil: mal bedient sie sich der Unmittelbarkeit einer fl√§chigen Komposition und der kontrastreichen Setzung der Farben, ein anderes Mal scheint sich der malerische Duktus zu verselbst√§ndigen und das Motiv g√§nzlich aufzul√∂sen. In anderen Bildern setzt sie hyperrealistische Bildbereiche gegen unvollst√§ndig ausgearbeitete Bildpassagen und konfrontiert uns auf diese Weise mit divergierenden Modellvorstellungen von Realit√§t. Wirklichkeit entsteht in ihren Bildern also immer unter den sich stets ver√§ndernden Bedingungen der Farbe, mit der die Gegenst√§nde ins Bild ger√ľckt und diesem inkorporiert werden. Das erlaubt ihr den R√ľckgriff auf eine Motivwelt, die selbst bereits auf mediale Reproduktion verweist: der Mann mit dem Cowboyhut gemahnt an die Omnipr√§senz von Werbeklischees, die malerisch isolierten Gesten der M√§nner auf dem Fu√üballplatz persiflieren das Gesch√§ft mit Emotionen im Sport, die melancholischen Barszenen erscheinen einer k√ľhlen Filmwirklichkeit entnommen. Farbe erweist sich dabei als das Mittel, den fl√ľchtigen Bildern der Medienwelt neues Leben einzuhauchen und sie sinnoffen zu gestalten.

 Verst√§rkt wird diese Offenheit f√ľr unterschiedliche Sinngebungen durch den situationalen Charakter vieler Bilder: die wartende Frau an dem roten Tisch, der interessierte Blick des Mannes aus dem Hintergrund, ja selbst die auffordernde Haltung der portraithaft anmutenden und doch vollkommen anonymen Einzeldarstellungen. Oft hat man den Eindruck, also ob etwas geschehen m√ľsse in dieser auf den Moment konzentrierten Bildwelt. Vielfach wird der sinnende Blick der Dargestellten zum Ausdruck ungestillter Sehns√ľchte, und die des √∂fteren ins Bild gesetzten Werktitel best√§tigen dies. Aber die Schriftelemente m√ľssen nicht zwangsl√§ufig zur Verdeutlichung der Bildinhalte f√ľhren, sondern k√∂nnen diese ebenso in Frage stellen. Manchmal werden die Schriftzeichen so bildbeherrschend, dass sie in Konkurrenz zum Geschehen treten.

 In einigen Gem√§lden stellt die K√ľnstlerin explizit die Verbindung zu traditionellen Bildthemen der Kunstgeschichte her. Wurden diese Stil- oder Motivzitate fr√ľher zeitnahen Kunststr√∂mungen wie dem Neoexpressionismus der 80-er Jahre entnommen, so wagt sich Karin Beck mittlerweile auch an Werke Alter Meister wie D√ľrer oder Cranach heran oder transportiert die Geschichte Adams und Evas in die Wirklichkeit jugendlicher Menschen von heute. Einige ihrer j√ľngsten Bilder erinnern in dem fl√§chig-monumentalen Bildaufbau und der k√ľhlen Farbigkeit vor einer schwarzen Hintergrundfolie an die Malkunst Max Beckmanns, andere wiederum verbinden klassische Bildmotive mit den plakativen Bildmitteln der Pop Art.

 Karin Becks Bilder erweisen sich somit als Transformationen einer medial bestimmten Realit√§t durch die Malerei und liefern dadurch Anl√§sse, der Frage nach der durch Bilder repr√§sentierten Wirklichkeit nachzugehen. Man merkt der K√ľnstlerin an, dass sie dieser Frage mit Skepsis und Humor nachgeht, denn h√§ufig werden Bilder √ľberarbeitet, Motivkonstellationen ge√§ndert oder Schriften getilgt. So wie viele ihrer Motive aus der sich immer schneller verfl√ľchtigenden Gegenwart von Ereignissen und Personen in den modernen Medien entstammen, bleibt ihre Malerei einem Prozess st√§ndiger Ver√§nderung und Erneuerung unterworfen.

 Dr. J√∂rg Becker

WHEN MY STAR IS COMING

DANIELLE

Alles wird gut

LILIAN

Nach dem Spiel

Stiller Moment

JOE

CUISINE NATURELLE

Lolita im Haag

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