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Mensch - Glück - Farbe - drei Worte, die für mich die Erkenntnis- und Lustfelder der Bilder von Karin Beck vor anderen benennen. Der Mensch ist das Thema, meist auch das Motiv “als ob ich mir ein Gegenbild schaffen wollte”. Erstaunlicherweise wurde das Thema “Mensch” neu aktuell, als die Tendenz wuchs, auch den Menschen dem Hergestellten und Herstellbaren zuzuordnen. Der “Schrei” der “Neuen Wilden” in den 70er und 80er Jahren nach dem lebendigen Menschen gegen abstrakte Kunstmodelle hat dagegen noch die freie Subjektivität gestellt; am Horizont erscheint der “Erfolg” der Menschenformung aus den Genen. Beiden Menschenbildern gemeinsam ist die Akzentuierung im Jetzt. Die noch für Gauguin und seine Künstlergeneration so zentrale Frage nach dem Woher und Wohin des Menschen hat offenbar an Interesse verloren.

Die Frage ist, ob sie mit dem Wort “Glück” wieder hervorgerufen wird. Der Austellungstitel legt es nahe, indem er an “kurze”, also vergehende Zeit erinnert. Andererseits ist das vom Tod und seinen Vorformen bedrohte Glück erst recht auf das Jetzt als die von ihm geöffnete Zeit gewiesen. “Now” und Formen von “to be” in den Gemälden Karin Becks sind wie Schlüssel. Der Versuch, das Glück und die Paradoxie seiner Begrenzung zu leben, ist die anrührenste Gebärde, aber auch die Not ihrer Bilder.

Es ist ein Audruck künstlerischer Kraft und Konsequenz, dass Karin Beck es auf der Ebene der “Erzählung” bei diesem “jetzt” beläßt. Dennoch entsteht Kunst nicht nur durch den Bericht über ein erlebtes, erhofftes, verweigertes oder verlorenes Glück, sondern durch die solche Inhalte sichtbar machende Form. Zur Form gehört bei Karin Beck noch eine gewisse Direktheit der Darstellung und die alles Szenische überstrahlende Konzentration auf die künstlerischen Mittel, die Linie und vor allem auf die Farbe. Deren Wahl und Ausbreitung im Bild können mit der optischen Wahrnehmung zusammenfallen. Nie aber liegt ihre Bedeutung nur außen. Vielmehr vermittelt die Farbe Sinnen und Herz das uns Angehende der Menschengeschichte im Bild. Es gehört zum Menschenrätsel, dass eben dies durch die Farbe geschehen kann. Kommunikation aufgrund eines Vermögens, das niemand von uns geschaffen hat.

Dr. Adolf Smitmans zur Ausstellung “Die kurze Zeit, das Glück zu fassen” am 20.03.2003:

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